• Inszenierung Aus dem Nichts, Foto: Steffen Rasche
  • Inszenierung Die Dreigroschenoper, Foto: Steffen Rasche
  • Theater neue Bühne, Foto: Steffen Rasche
  • Inszenierung Hase, Hase, Foto: Steffen Rasche
  • Inszenierung Kabale und Liebe, Foto: Steffen Rasche
  • Inszenierung Was das Nashorn sah..., Foto: Steffen Rasche
  • Inszenierung 6 Tanzstunden..., Foto: Steffen Rasche
  • Spektakel, Foto: Steffen Rasche
  • Spektakel, Foto: Steffen Rasche
extra Bild

Theaterkritiken von Vereinsmitglied Ulrich Münzberg

Frau Müller muss weg

Theaterkritik von Vereinsmitglied Uli Münzberg


Die Premiere des Stücks von Lutz Hübner und Sara Nemitz „Frau Müller muss weg“ im Studio der neuen Bühne war ein großer Erfolg. Regisseurin Anita Iselin erzählt die Geschichte von Frau Müller spannend mit Witz und Ironie. Der Zuschauer wird auch zum Nachdenken angeregt. Eine Gruppe von Eltern, angeführt von Elternsprecherin Jessica Höfel (Anna Schönberg, vielschichtig, nicht durchschaubar) stürmt in den Klassenraum. Die Eltern sind ganz unterschiedlich. Da ist Patrick Jeskow (Erik Brünner), ein Ingenieur aus Köln der wegen der Arbeit in den Osten gekommen ist und seine Frau Marina (Marianne Thies), die Heimweh hat und zurück will, auch weil ihr Sohn Lukas von den anderen Schülern gemobbt wird. Außerdem die Museumspädagogin Katja Grabowski (Hanka Mark), die alle Menschen miteinander versöhnen will. Zu den etablierten Eltern gesellt sich noch der arbeitslose Wolf Heider (Tom Bartels). Diese unterschiedlichen Eltern sind sich einig: Frau Müller muss weg. Denn sie verbaut den mit von ihr vergebenen Zensuren und Einschätzungen den Kindern den Weg ans Gymnasium. Ob ihre Sprösslinge das selbst wollen, ist für sie uninteressant. Dann kommt Frau Müller (Catherina Struwe, wunderbar, vielschichtig). Sie ist mit Leib und Seele Lehrerin. Sie hat ein Herz für die Kinder, ihre Familien und ihre Probleme. Aber sie hat auch pädagogische Prinzipien. Das alles erklärt sie auch den Eltern. Die aber wollen eine Lehrerin, die nur positive Einschätzungen schreibt. Sie greifen die Lehrerin so massiv und böse an, dass sie flüchtet. Keiner weiß wohin. Die Eltern begeben sich auf die Suche. Katja und Wolf bleiben allein und sprechen über ihre geheime Liebesbeziehung. Dann sind die anderen Eltern wieder da, ohne Frau Müller. Manche blättern im Notizbuch der Lehrerin und sehen, ihre Kinder haben nur gute Noten. Als Frau Müller wiedererscheint, rufen die vormaligen Verschwörer auf einmal: Sie müssen bleiben. Das in der Inszenierung Behandelte ist aktuell. Eltern, Kinder und Lehrer sollten dieses Stück sehen, möglichst gemeinsam. Es wird auch gezeigt, dass unsere Leistungsgesellschaft unmenschlich ist.


Frau Müller muss weg, Foto: Steffen Rasche

 

Frau Müller muss weg, Foto: Steffen Rasche

Der Zauberer von Oss

Theaterkritik von Vereinsmitglied Uli Münzberg


Die Premiere des Stücks von Lyman Frank Baums „Der Zauberer von Oss“ im Theater Senftenberg war ein großer Erfolg. Kinder und Erwachsene jubelten dem Ensemble zu. Gespielt wurde Frank Gabrielsons Musical-Adaption. Zu sehen war eine wunderbare musikalische Reise durch das Land Oss. Inszeniert wurde die Geschichte von Intendant Manuel Soubeyrand, die musikalische Leitung besorgte Günter Lehr und Mike Hahn schuf die fantasieanregenden Kostüme und ein geniales Bühnenbild. Das Haus in dem Dorothee wohnt, fliegt sichtbar vom Wirbelsturm getragen von Kansas in das Land der Schlaraffen. Dorothee ist ein freches aufmüpfiges Mädchen, gespielt und gesungen von Aline Bucher. Aline Bucher ist eine wunderbare Musicaldarstellerin. Auch alle anderen Mitwirkenden sind für eine Musicalinszenierung eine ideale Besetzung. Als Dorothee bei den Schlaraffen gelandet ist, wird sie gefeiert, denn bei der Landung des Hauses wurde die böse Hexe des Ostens getötet. Auch die gute Zauberin des Nordens (Esra Maria Kreder, wunderbar) ist glücklich, weil ihre Rivalin vernichtet ist und sie verspricht dem Mädchen ihre Hilfe in allen brenzligen Situationen. Aber das Mädchen hat nur einen Wunsch: Sie will zurück nach Kansas. „Da kann dir nur der Zauberer von Oss helfen, geh zu ihm nach Smaragdenstadt!“ Es sieht gut aus. Aber plötzlich ist die dunkelgekleidete böse Hexe des Westens (Lena Conrad, hinterhältig, böse) da. Sie will den Tod ihrer Schwester der Hexe des Ostens rächen. Sie hat die Schlaraffen vertrieben.  Dorothee macht sich trotzdem auf den Weg und lernt neue Kameraden und Freunde kennen: Die leicht trottelige Vogelscheuche (Dimitrij Breuer), den Blechmann ohne Herz (Leon Haller) und den brüllenden Löwen, der Angst hat (Valentin Kleinschmidt). Alle wollen zum Zauberer von Oss. Die Hexe des Westens will das mit allen Mitteln verhindern. Sie lässt Brücken rotieren, Wegweiser verschwinden und schickt teuflische Mächte, die die Wanderer beherrschen sollen. Sie kommen aber trotzdem an, weil auch die Zauberin des Nordens immer wieder hilft. Sie tragen dem Zauberer von Oss ihre Wünsche vor. „Ich helfe euch nur, wenn ihr die Hexe des Westens vernichtet“, sagt er. Nun beginnt eine gruselige, schaurige Geschichte, an deren Ende der große Zauberer Oss klein und unbedeutend ist. Am Ende der Märchenerzählung fliegen Dorothee und der Zauberer mit einer Rakete zurück nach Kansas. Es ist so, wenn Freunde einander verstehen, vertrauen und lieben, dann kommen sie ans Ziel.


Der Zauberer von Oss, Foto: Steffen Rasche

 

Der Zauberer von Oss, Foto: Steffen Rasche

Sechs Tanzstunden in Sechs Wochen

Theaterkritik von Vereinsmitglied Uli Münzberg


Viele Menschen in unserer Welt sind einsam und fühlen sich von allen guten Geistern verlassen. Sie suchen nach neuen Wegen für die Gestaltung ihres Lebens. Das wird in Richard Alferis Stück „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ beschrieben. In Senftenberg wurde es jetzt mit großer Sensibilität von Frank Düwel inszeniert. Das Bühnenbild, ein Blick in eine bürgerliche Wohnung, wurde von Nora Maria Bräuer geschaffen und die Kostüme, die immer die Befindlichkeiten der beiden Figuren deutlich machen, wurden von Volker Deutschmann kreiert. Die beiden Einsamen die suchen sind Lilly (Sybille Böversen, wunderbar, alle Höhen und Tiefen der Figur auslotend) und Michael (Patrick Gees, jugendlich, aufbrausend, sensibel, suchend). Lilly ist Witwe eines evangelikalen Predigers. Sie will ausbrechen aus der Einsamkeit und bucht Tanzstunden. Michael, ehemals berühmter Tänzer am Broadway muss jetzt seinen Lebensunterhalt mit Tanzstunden verdienen. Die Beiden kommen aus ganz unterschiedlichen Lebenswelten. Schon beim ersten Zusammentreffen kracht es zwischen beiden. Sie beschimpfen, belügen sich und wollen voneinander ablassen. Aber dann tanzen sie doch. Bei Walzer, Swing, Foxtrott, Tango, Cha-Cha-Cha kommen sie sich näher. Bei den Tanzstunden wächst zwischen ihnen Anerkennung, Verständnis und sogar Liebe. Aber sie streiten auch immer wieder. Witz, Situationskomik und klug gesetzte Pointen bringen das Publikum immer zum Lachen. Die Tragik im Leben von Lily und Michael wird trotzdem deutlich. Sybille Böversen und Patrick sind hervorragende Tänzer, jeder Schritt ist korrekt. Viele im Publikum würden gerne mittanzen. Eine wunderbare Inszenierung für Menschen, die lachen, weinen und nachdenken wollen.


Sechs Tanzstunden in Sechs Wochen, Foto: Steffen Rasche

 

Sechs Tanzstunden in Sechs Wochen, Foto: Steffen Rasche

Dachbodenfund

Theaterkritik von Vereinsmitglied Uli Münzberg


Schon lange wünschte sich das Publikum der neuen Bühne wieder einmal Mirko Warnatz und Jan Schönberg in einem musikalischen Programm zu erleben. Schönberg begeisterte mit seinem Programm „Elvis, der King und ich“. Mirko Warnatz und Jan Schönberg machten viele Lausitzer glücklich mit ihrem gemeinsamen Programm „Gundermann- Engel über dem Revier“. Jetzt hat Jan Schönberg das musikalische Theaterstück „Dachbodenfund -Musik, die das Leben schreibt“ geschrieben, dass er gemeinsam mit Mirko Warnatz präsentiert. Das Stück ist eine Zeitreise durch unsere Geschichte von den Anfängen der DDR bis zum Heute. Die Zuschauer erinnern sich an eigene Erlebnisse. Es ist auch die Geschichte ihres Lebens. Es ist großartig, dass auch immer die passende Musik erklingt. Wenn die Zuschauer schauen, wenn sie kommen, in einem vermüllten Dachboden mit Koffern, Bildern, Fotoalben, Krimskrams und einer Sammlung von Musikinstrumenten, die die beiden Musiker auch alle spielen werden. Das stimmungsvolle Bühnenbild und die Kostüme wurden von Nora Maria Bräuer geschaffen. Den ganzen Kram haben die Erben des berühmten Geschichtsprofessors Blasewitz in den Speicher geräumt und eine Entsorgungsfirma beauftragt Wertvolles vom Müll zu trennen. Chef der Firma ist Kalle (Mirko Warnatz), der sich oft über seinen eigensinnigen Mitarbeiter Eddie (Jan Schönberg) ärgern muss. Aus dieser Konstellation ergeben sich die absurdesten Situationen. Man kann viel lachen. Aber das Stück hat auch ernste Momente. Beide erzählen aus ihrem Leben von Liebe und Leid, von zerbrochen Partnerschaften, von Neuanfängen auch von Opportunismus und Widerstand. Ihre Erzählungen sind erhellend und humorvoll. Aber die Beiden greifen immer wieder zu den Instrumenten spielen und singen wundervoll und situationsbezogen. Sie singen vom Wein auf Mykonos, zelebrieren den Müllmann -Blues, Kalle singt auch für seine Freundin „Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund“. Beide fragen auch ihre Liebste „Lieben sie Brahms Madame“ oder doch besser mich? Die Entsorger machen eine Pause singen dabei von der „Heißen Schlacht am kalten Büfett“. Aber sie machen sich auch Sorge um Zukunft unseres Landes Sie singen „Wenn die Rosen nicht mehr blüh n“, „Weiße Tauben fliegen nicht mehr“, denn „Falken sind so stark wie nie“. Am Ende ist alles gut und sie bekommen ein Überraschungsgeschenk und Musiker und Publikum singen gemeinsam „Die kleine Kneipe“, da fragt keiner was du bist. Das Publikum jubelt. Der Beifall ist so groß, dass Jan Schönberg und Mirko Warnatz noch einige Zugaben singen müssen. Beide sind begnadete Musiker und Geschichtenerzähler.

 

Bild aus der Inszenierung Dachbodenfund